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  Bestand J 340, Wasserzeichensammlung Piccard
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Einführung

Wasserzeichen sind im Papier sichtbare Abdrücke. Sie entstehen bei der Papierherstellung durch die Verwendung eines Schöpfsiebes, an dem ein Drahtzeichen befestigt ist. Die figurativen Zeichen im Papier dienten als Herstellermarken und Qualitätsnachweise. Als historische Hilfswissenschaft bietet die Wasserzeichenkunde eine Methode für die Datierung schriftlicher, graphischer oder typographischer Überlieferung auf Papier. Durch den Nachweis der exakten Übereinstimmung eines Wasserzeichens in datiertem Papier (in Form von Archivalien, datierten Handschriften etc.) mit einem Wasserzeichen in einem undatierten Überlieferungsträger aus Papier lässt sich in der Regel eine auf ±5 Jahre einzugrenzende Datierung gewinnen. Voraussetzung dafür ist die Verfügbarkeit von ausreichendem Vergleichsmaterial datierter Wasserzeichen. Die von Gerhard Piccard (1909-1989) zusammengetragene Wasserzeichenkartei im Hauptstaatsarchiv Stuttgart, Bestand J 340, ist die weltweit größte Sammlung dieser Art. Sie enthält schwerpunktmäßig Wasserzeichen des 14. bis 17. Jahrhunderts. Die von 1961 bis 1997 publizierten Findbücher zu Piccards Kartei erschließen nur einen Teil der Sammlung, die insgesamt rd. 92.000 Zeichen umfasst. Piccard-Online veröffentlicht die komplette Wasserzeichenkartei in digitaler Form. Sämtliche, bislang unpublizierte und publizierte Abzeichnungen von Wasserzeichen (Einzelnachweise datierter Wasserzeichen mit Beschreibort und -datum) stehen zur Verfügung und können durchsucht werden. Ihnen stehen so genannte "Vorschaltkarten" voran, die eine prototypische Zeichnung des Wasserzeichens enthalten und Ordnungszwecken dienen.

 

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Zur Wasserzeichensammlung Piccard

Gerhard Piccard (1909-1989)   Die Wasserzeichensammlung Piccard wird im Hauptstaatsarchiv Stuttgart unter der Signatur J 340 aufbewahrt. Ihren Namen trägt sie nach Gerhard Piccard (1909-1989), der sie als sein Lebenswerk über vier Jahrzehnte bis zu seinem Tod aufgebaut und bearbeitet hat. Er übergab seine Sammlung bereits 1951 dem Hauptstaatsarchiv und arbeitete danach als Freier Mitarbeiter des Hauses an deren weiterem Ausbau.

Aus über 85 Archiven und Bibliotheken vor allem in Süddeutschland, aber auch in den europäischen Nachbarländern trug er die Belege für seine Kartei zusammen. Die von den Vorlagen gefertigten Bleistiftpausen übertrug er anschließend mit Tusche auf genormte Karteikarten und ordnete sie nach einem an Wasserzeichentypen orientierten Organisationsplan. Mit rund 95.000 Karteikarten und weiteren ca. 25.000 Durchzeichnungen, die sich heute in seinem Nachlass befinden (= HStAS J 40/12), gilt die Wasserzeichensammlung Piccard als weltgrößte Sammlung ihrer Art! Daneben sei betont, dass Piccard durch seine papiergeschichtlichen Forschungen die hilfswissenschaftlichen Grundlagen zur Datierung mit Hilfe von Wasserzeichen (auf +/- 4 Jahre) erst sicherte, indem er die Papierforschung auf eine klare methodische Grundlage stellte. Er hatte seine methodischen Überlegungen schon 1954 in einem Referat auf dem 33. Deutschen Archivtag in Goslar vorgestellt und dann 1956 in der Archivalischen Zeitschrift veröffentlicht.

International bekannt wurde Piccards Wasserzeichensammlung durch die seit 1961 im Druck erschienenen "Findbücher". Bis 1997 wurden durch die Staatliche Archivverwaltung Baden-Württemberg 17 Findbücher in insgesamt 25 Bänden vorgelegt, die den "Piccard" erschließen. Dabei ist die Qualitätssteigerung dieser Publikationen nicht zu übersehen. Waren die ersten Findbücher, die nach Wasserzeichentypen gegliedert sind, nämlich "Ochsenkopf", "Krone" und "Turm" noch reine Findbehelfe, deren Einzelbelege gar nicht zum Abdruck kamen, so wurden die späteren Bände jeweils mit allen Nachweisen in Text und Bild ausgestattet. Damit wurde der "Piccard" zur umfangreichsten Standardpublikation von Wasserzeichen.

Mit den gedruckten Bänden sind allerdings noch nicht einmal zwei Drittel der Piccardschen Kartei für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Ihr unpublizierter Rest umfasst etwa 37.000 weitere Karteikarten, deren Publikation in herkömmlicher Form - schon wegen der unzureichenden Qualität der wenigen noch vorliegenden Manuskripte Piccards - nicht mehr in Frage kommen konnte. Vor dem Hintergrund dieser Situation und dem nachdrücklich artikulierten Bedarf der hilfswissenschaftlichen Forschung, in erster Linie der Handschriftenkunde, an einer Fortsetzung des "Piccard", wurde langfristig eine Publikation in digitaler Form geplant.

 

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Literaturverzeichnis

Literatur zu Gerhard Piccard, der Wasserzeichenkartei und Piccard-Online

  • Amelung, Peter: Nachruf auf Gerhard Piccard, in: Gutenberg-Jahrbuch 1990, S. 386 ff.
  • Bannasch, Hermann: Wasserzeichen als Datierungshilfen - Die Wasserzeichenkartei Piccard im Hauptstaatsarchiv Stuttgart, in: Zauberstoff Papier. Sechs Jahrhunderte Papier in Deutschland, hg. von Jürgen Franzke und Wolfgang von Stromer, 1990, S. 69 ff.
  • Bauer, Harald / Rückert, Peter: Piccard-Online - Projektstart zur Digitalisierung der kompletten Wasserzeichensammlung Piccard im Hauptstaatsarchiv Stuttgart, in: Archivnachrichten Nr. 28 (Mai 2004), S. 23.
  • Briquet, C. M.: Les filigranes, 4 Bde., 1907.
  • Dirsch, Monika: Anforderungen an die Online-Publikation der noch unveröffentlichten Teile der Wasserzeichenkartei Piccard im Hauptstaatsarchiv Stuttgart (HStAS J 340) (= Transferarbeit an der Archivschule Marburg), 2001 (ungedruckt).
  • Maier, Gerald: Qualität, Bearbeitung und Präsentation digitaler Bilder, in: Digitale Archive und Bibliotheken. Neue Zugangsmöglichkeiten und Nutzungsqualitäten, hg. von Hartmut Weber und Gerald Maier, 2000.
  • Piccard, Gerhard: Piccard Wasserzeichen, Veröffentlichungen der Staatlichen Archivverwaltung Baden-Württemberg. Sonderreihe: Die Wasserzeichenkartei Piccard im Hauptstaatsarchiv Stuttgart, 17 Findbücher in 25 Bänden, 1961-1997.
  • Piccard, Gerhard: Die Wasserzeichenforschung als historische Hilfswissenschaft, in: Archivalische Zeitschrift 52 (1956); S. 62 ff.
  • Richter, Gregor: Gerhard Piccard, in: ZWLG 50 (1991), S. 439 ff.
  • Rückert, Peter: Die Wasserzeichenkartei Piccard im Hauptstaatsarchiv Stuttgart: ein Probelauf zur weiteren Publikation, in: Archivnachrichten Nr. 18 (Mai 1999), S. 10.
  • Rückert, Peter: Die Wasserzeichenkartei Piccard im Internet, in: Archivnachrichten Nr. 26 (Mai 2003), S. 10.
  • Rückert, Peter: Zur Digitalisierung der Wasserzeichenkartei Piccard im Hauptstaatsarchiv Stuttgart, in: Der Archivar 56 (2003), S. 144-145.
  • Rückert, Peter / Godau, Jeannette: Piccard online - Digitale Präsentationen von Wasserzeichen und ihre Nutzung, in: Der Archivar 58 (2005), S. 115-116.
  • Rückert, Peter / Haidinger, Alois: Wasserzeichen im Internet: Zur Digitalisierung der Wasserzeichenkartei Piccard und der Wasserzeichen Klosterneuburger Handschriften, in: Archive und Forschung. Referate des 73. Deutschen Archivtages 2002 in Trier, hg. vom Verband der deutschen Archivarinnen und Archivare, Redaktion: Robert Kretzschmar, Siegburg 2003.
  • Rückert, Peter / Maier, Gerald / Godau, Jeannette (Hg.): Piccard online - Digitale Präsentationen von Wasserzeichen und ihre Nutzung (= Werkhefte der Staatlichen Archivverwaltung Baden-Württemberg, Serie A) (in Vorbereitung für 2006).
  • Stromer, Wolfgang von: Der "Piccard" - Findbücher der Wasserzeichen, in: IPH-Information 1989 Nr. 3, S. 119 ff.

Literatur zur Wasserzeichenkunde

  • AMELUNG, Peter: Methoden zur Bestimmung und Datierung unfirmierter Inkunabeln, in: Buch und Text im 15. Jahrhundert. Book and Text in the Fifteenth Century. Arbeitsgespräch in der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel vom 1. bis 3. März 1978, hg. v. Lotte HELLINGA / Helmar HÄRTEL, Hamburg 1981 (Wolfenbütteler Abhandlungen zur Renaissanceforschung 2), S. 89-128, hier S. 105-115.
  • BANNASCH, Hermann: Wasserzeichen als Datierungshilfen - Die Wasserzeichenkartei Piccard im Hauptstaatsarchiv Stuttgart, in: Zauberstoff Papier. Sechs Jahrhunderte Papier in Deutschland, hg. v. Jürgen FRANZKE, München 1990, S. 69-88.
  • GERARDY, Theodor: Sammeln, Ordnen und Katalogisieren von Wasserzeichen, in: Papiergeschichte 9, 1959, S. 1-12.
  • --- Probleme der Wasserzeichenforschung, in: Papiergeschichte 9, 1959, S. 66-73.
  • --- Datieren mit Hilfe von Wasserzeichen, beispielhaft dargestellt an der Gesamtproduktion der Schaumburgischen Papiermühle Arensburg von 1604-1650, Bückeburg 1964 (Schaumburger Studien 4).
  • --- Der Identitätsbeweis bei der Wasserzeichendatierung, in: Archiv für Geschichte des Buchwesens 9, 1969, Sp. 733-778.
  • --- Die Beschreibung des in Manuskripten und Drucken vorkommenden Papiers, in: Codicologica, hg. v. Albert GRUYS, Bd. 5 : Les matériaux du livre manuscrit, Leiden 1980, S. 37-51.
  • GRAF, Klaus: Vorschläge zur Wasserzeichendatierung von Handschriften, in: Gazette du livre médiéval 16, 1990, S. 8-11.
  • HAIDINGER, Alois: Datieren mittelalterlicher Handschriften mittels ihrer Wasserzeichen, in: Anzeiger der philosophisch-historischen Klasse der Österreichischen Akademie der Wissenschaften 139, 2004, S. 5-32.
  • HARLFINGER, Dieter: Zur Datierung von Handschriften mit Hilfe von Wasserzeichen, in: Griechische Kodikologie und Textüberlieferung, hg. v. Dieter HARLFINGER, Darmstadt 1980, S. 144-169.
  • HORST, Koert van der: The Reliability of Watermarks, in: Gazette du livre médiéval 15, 1989, S. 15-19.
  • Internationale Norm für die Erfassung von Papieren mit oder ohne Wasserzeichen. Version 2.0 (1997), hg. v. der Internationalen Arbeitsgemeinschaft der Papierhistoriker, Marburg o. J. [1997].
  • Internationale Norm für die Erfassung von Papieren mit oder ohne Wasserzeichen. Version 2.0 (1997): Typological Index. Wasserzeichen-Typenindex nach Klassen/Unterklassen, illustriert, hg. v. der Internationalen Arbeitsgemeinschaft der Papierhistoriker, Marburg o. J. [2000].
  • IRIGOIN, Jean: La datation par les filigranes du papier, in: Codicologica, hg. v. Albert GRUYS, Bd. 5 : Les matériaux du livre manuscrit, Leiden 1980, S. 9-36.
  • KONRAD, Ulrich: "...aus dem Notenpapier die Zeitperiode erkannt." Die Papier- und Wasserzeichenforschung in ihrer Bedeutung für die Musikwissenschaft, in: Gutenberg-Jahrbuch 1999, S. 20-34.
  • MUZERELLE, Denis / Ezio ORNATO / Monique ZERDOUN: Un protocole de description des papiers filigranés, in: Gazette du livre médiéval 14, 1989, S. 16-24.
  • PICCARD, Gerhard: Wasserzeichenkunde und Urbarforschung, in: Archivum 2, 1952, S. 65-81.
  • --- Die Wasserzeichenforschung als historische Hilfswissenschaft, in: Archivalische Zeitschrift 52, 1956, S. 62-115.
  • --- [Rez. zu GERARDY, 1964], in: Archivalische Zeitschrift 62, 1966, S. 231-234.
  • Puzzles in Paper. Concepts in Historical Watermarks, hg. v. Daniel W. MOSSER / Michael SAFFLE / Ernest W. SULLIVAN II, New Castle, Delaware / London 2000.
  • SCHMIDT, Frieder: Bibliographie der Veröffentlichungen des Wasserzeichenforschers und Papierhistorikers Gerhard Piccard (1909-1989), in: IPH-Information 23, 1989, S. 131-136.
  • SCHNEIDER, Karin: Paläographie und Handschriftenkunde für Germanisten. Eine Einführung, Tübingen 1999 (Sammlung kurzer Grammatiken germanischer Dialekte, B. Ergänzungsreihe, 8), S. 110-115.
  • SPOER, Gertraude: Rosen, Tulpen, Nelken... Aus der Formenwelt der Wasserzeichenkunst. Neujahrsgabe der Deutschen Bücherei 1988, Leipzig 1987.
  • STROMER, Wolfgang von: "Der Piccard" - Findbücher der Wasserzeichen, in: IPH-Information 23, 1989, S. 119-130.
  • TSCHUDIN, Peter F.: Grundzüge der Papiergeschichte, Stuttgart 2002 (Bibliothek des Buchwesens 12).
  • WEISS, Karl Theodor: Handbuch der Wasserzeichenkunde, bearb. u. hg. v. Wisso WEISS, Leipzig 1962; Nachdr. ebd. 1983.
  • WEISS, Wisso: Zur Terminologie der Wasserzeichenkunde, in: Papiergeschichte 12, 1962, S. 9-17; dazu Theo GERARDY: Zur Terminologie der Wasserzeichenkunde (Korreferat), ebd., S. 17 f.

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